Ängste, Geheimnisse und Probleme

Es war dunkel und ich wartete ungeduldig auf eine Antwort. Mr. Nevermind und ich führen unsere wichtigsten Gespräche nachts im Dunkeln, kurz bevor wir einschlafen. Meistens liegen wir dann aneinander gekuschelt. Wenn ich sauer bin und ihn gerade wegen irgendetwas zur Rede stelle (und das kam bis jetzt in den sieben Monaten oft genug vor), liegen wir beide auf dem Rücken. Er hat oft dabei die Augen zu, während ich die Decke anstarre, insbesondere den Holzbalken und die Schatten, die die Wand noch grauer wirken lassen.

"Also?", fragte ich ihn vorsichtig.
"Ich weiß gerade nicht, was ich sagen soll. Ich bin beschämt."
In meinem Kopf geschahen Purzelbäume. Beschämt? War das so schlimm gewesen, was ich gesagt hatte?
"Warum beschämt?", hakte ich nach. "Weil ich es immer wieder und wieder anspreche? Oder weil du weißt, dass ich nicht ganz Unrecht habe? Oder aus einem anderen Grund?"
"Lass es mich anders ausdrücken: Ich bin positiv beschämt."
Nun war ich völlig aufgeschmissen. Ich fragte nach: "Positiv?"
Ich spürte, wie sein Griff etwas fester wurde, während er antwortete: "Du hilfst mir."


Selten sind die Momente zwischen Mr. Nevermind und mir so schön wie in der letzten Nacht. Es gab viel in den letzten Monaten, was mich aufgeregt hat. Ja, manchmal wollte ich aufgeben. Aufgeben wollte ich eigentlich sogar oft. Aber es ist schwierig, etwas (oder jemanden) loszulassen, das man im Grunde sehr liebt. Noch schwieriger ist es aber, immer wieder zusehen zu müssen, wie alles schief geht und wie man selbst nicht mehr viel dagegen tut, weil man nicht mehr viel tun kann.


Lange vor dieser Beziehung habe ich oft an Vorstellungen festgehalten, die Beziehungen mit einem Bild völliger Perfektion behandelt haben. Jene Disyneyfantasien habe ich aber schon längst an den Nagel hängen müssen. Teilweise brauche ich die Dramen in der Beziehung. Ich habe jederzeit die Chance mich aufregen zu können und das gehört zu den Dingen, die in der Beziehung wirklich funktionieren. Ich darf mich austoben, darf wütend werden und ehrlich sein und im Anschluss kann ich mit Mr. Nevermind über alles reden und die Dinge klären. Aber ich bin auch kein Mensch, der während seiner Wutausbrüche besonders flucht oder ausfallend wird. Das Einzige, was mir passieren kann, ist, dass ich in Tränen ausbreche. Das passiert mir oft, wenn ich richtig wütend werde. Wut bedeutet oftmals eben auch, dass man sich verletzt fühlt. Zumindest in einer Beziehung bedeutet es das oft.


Mit Mr. Nevermind ist es für mich oft nicht leicht. Ich kann nicht abstreiten, dass ich mir überlegt hatte, ob ich die Beziehung nicht doch lieber beenden soll, um auf eine andere Beziehung zu warten. Eine mit einem Menschen, der besser mit Gefühlen umgehen kann, insbesondere mit Liebe.


Wie ich erkennen musste, ist die Wahrheit, dass Probleme einfach dazu gehören. Die Frage ist nur, ob man es schafft, diese Probleme zu beheben. Das allerdings kann ich noch lange nicht beantworten. Es gibt noch vieles, das Mr. Nevermind und ich bewältigen müssen. Ängste, Geheimnisse und Probleme, die manchmal in einem Menschen so tief sitzen, dass man nur hoffen kann, dass man der Mensch ist, der einem anderen helfen kann, an ihnen zu arbeiten.


Ab heute werde ich wieder regelmäßig erzählen. Von meinem Leben, von Mr. Nevermind und von allem, was um mich herum geschieht. Ja, ich bin zurück.

24.6.10 13:26
 


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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


lajellyberry / Website (24.6.10 17:12)
Sehr cool, ich glaube das freut nicht nur mich!
GLG!

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