Sicherheit?

Manchmal, wenn ich mich Tag für Tag einfach nur glücklich fühle, kommt dann doch irgendwann der Tag, an dem mir irgendetwas ganz plötzlich einen Schlag verpasst. Ich wundere mich gelegentlich, wie schnell das mit der Traurigkeit gehen kann.


Gerade fühle ich mich schlecht. Das Schreiben gelingt mir schon lange nicht mehr und ob ich wenigstens diesen Eintrag hier wirklich lasse, steht auch noch nicht in meinem Kopf fest. Es macht mir zu schaffen, dass nie etwas sicher ist, dass ich mich nie auf etwas oder jemanden wirklich verlassen kann. Klar, ich kann mich auf etwas oder jemanden verlassen, aber es besteht grundsätzlich die Möglichkeit, enttäuscht zu werden.

Heute war ein lärmender Abend. Menschen, Vertrautes, Chaos, Krach. Ein Abend unter alten Freunden und Bekannten, die mir - seit ich in Weitweg wohne - immer noch vertraut, aber gleichzeitig auch sehr fremd sind. Schließlich spielt sich mein Leben hauptsächlich in Weitweg ab und die paar Tage, die ich jetzt Daheim bin, fühlen sich ohnehin schon seltsam genug an. Ich bemühe mich wirklich, keine lange Miene zu ziehen.

Zum ersten Mal ist mir heute aufgefallen, wie nervig es sein kann, andere Paare ertragen zu müssen, während man selbst nur allein daneben sitzt. Ich war neidisch und eifersüchtig und das, obwohl ich doch selbst einen Freund habe in Weitweg. Ja, ich vermisse ihn wohl etwas. Um so mehr regt es mich auf, im Ungewissen zu sein. Es regt mich einfach auf.
11.9.10 00:09


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Momente

Es gibt immer wieder gute Momente.
Momente, in denen Mr. Nevermind mich festhält und kitzelt und wir beide uns einfach ganz nah sind.
Oder Momente, in denen ich so wahnsinnig genervt und gestresst bin, dass ich meine unbewusste Lieblingsgeste mache (entzürntes mit den Händen in der Luft Fuchteln, meist verbunden mit einem wütenden "Argh", sodass Mr. Nevermind breit grinsend neben mir sitzt. Meist zieht er mich dann zu sich rüber und küsst mich, mit der fast schon eindeutigen Botschaft, dass er das unter anderem irgendwie auch an mir mag.

Dann gibt es immer wieder lustige Momente.
Momente, in denen Mr. Nevermind und ich im Bett liegen und er sich darüber wundert, warum seine Hälfte des Bettes nach Käse riecht. Es sind Schwachsinnsmomente, für die ich manchmal einfach lebe, weil sie fröhlich, heiter und einfach hell sind. Sehr sehr hell.


Aber es gibt - natürlich - auch schlechte Momente.

21.7.10 19:02


Dazwischen

Es gibt vieles, was mich beschäftigt. Belastet würde es besser treffen. Doch jeglicher Versuch, persönlich und intim zu werden, endlich über diese Dinge zu reden, treibt mich zur Flucht. Ich kann nicht. Ich verbinde es mit Schwäche. Der Gedanke, über die Dinge zu reden oder zu schreiben, die so fest in meinem Kopf zur Zeit sind, verspricht Hoffnung, aber auch jede Menge weitere Gedanken, denen ich nicht ausgesetzt sein möchte.

Das Schlimmste ist, dass ich mit niemandem reden kann. Nicht richtig. Meine einzig Verbündete ist die Kratzbürste, die ich noch vor Monaten nicht mochte, bis sie plötzlich auf meiner Seite stand und seitdem immer wieder mit mir gegen alle bösen Befüchtungen kämpft. Es wäre mir genug, könnte ich mit ihr über alles reden. Doch das geht nicht. So wie es nie geht, wenn es nicht mehr um einen allein geht. Denn wenn man dann anfängt zu sprechen, bedeutet es, dass man auch über das spricht, was alle anderen nichts angeht. Und das wäre nicht fair.

Doch letztendlich kann ich auch nicht so tun, als würde es mir nicht dadurch schlecht gehen. Ich wäre gerne stark. Gerne stark genug für zwei und ich gebe mir größte Mühe, doch ich habe Angst davor, dass ich doch nicht stark genug bin und dem Ganzen nicht Stand halten kann.

Es gibt niemanden mehr, dem ich überhaupt irgendetwas davon anvertrauen kann. Der Mensch, der diese Dinge hören sollte, versteht sie nicht. Und die Menschen, die diese Dinge vielleicht verstehen würden, sollten sie nicht hören.

Der absolut letzte Satz, den man in so einem Moment hören möchte? "Wir kriegen das schon hin." Es scheint tatsächlich noch einen Menschen auf diesem Planeten zu geben, der nicht kapiert, wie furchtbar dieser Satz ist.
Ich hasse Floskeln.
Über alles.
20.7.10 16:43


Klausurtage und wenig kompetente Professorinnen

Klausurtag.
Etwas aufgefühlt saß ich im Hörsaal und wollte eigentlich nur noch, dass es endlich beginnen würde. Man sollte meinen, diese Klausur würde ein Witz werden. Nicht wirklich anspruchsvoll. Doch es gibt Menschen, denen traut man alles zu und meine Dozentin für jene Vorlesung zählt zu den Menschen. Ich mag sie nicht. So überhaupt gar nicht. Manchmal sind mir Menschen suspekt. Und an manchen Tagen empfinde ich sogar ein wenig Abneigung für Menschen. Menschen generell. Weil ich oft finde, dass Menschen wahnsinnig einfältig und dumm sind. Weil ich finde, dass Menschen glauben, ihnen würde die ganze Welt gehören und dabei nicht realisieren, dass sich nicht alles um sie dreht.
Das sind die Tage, an denen ich auch etwas Abneigung mir selbst gegenüber empfinde, weil ich dann wieder mal zu der Erkenntnis komme, dass ich auch nichts weiter bin als ein dummer, einfältiger Mensch.

Sie kam also in den Hörsaal mit ihrem sorgfältig sitzenden Kostüm, adrett gekleidet wie immer. Das mit Lippenstift umrahmte Lächeln, das sie sogar dann im Gesicht lässt, wenn sie gerade jemanden beleidigt oder persönlich angreift, hatte sie natürlich auch nicht vergessen. Allein diese Gekünstelheit löst pure Abneigung in mir aus. Jeder weiß, dass sie ein ziemlicher Drache ist, da hilft ihr so ein Lächeln leider auch nicht mehr. Das macht es höchstens schlimmer.

Neben mir saßen die beiden Menschen, die mir in der Uni zur Zeit das allermeiste bedeuten. Die Zeiten, dass ich von all den Menschen aus der Uni geschwärmt habe, sind schon lange vorbei. Die meisten Bekanntschaften sind nur noch Zweckbekanntschaften. Leute, die man fragen kann, wenn etwas ist und die einen im Gegenzug auch fragen. Leute, zu denen man sich in den Vorlesungen setzen kann, damit man dann nicht so allein ist und die es andersrum nicht anders machen.

Aber bei diesen beiden Menschen ist es etwas anderes. Ich empfinde große Zuneigung zu den beiden, weil es mit ihnen leichter ist als mit all den Zweckbekannten, die ich zwar mag, aber die mich innerlich so oft verunsichern, weil sie doch irgendwo zu einer ganz anderen Welt gehören als ich. Bei den beiden Menschen handelt es sich um Mr. Easy und Mr. Unkind (früher auch mal bekannt als der Neckende).
So näher man jemanden kennen lernt, um so mehr lernt man seine Eigenarten kennen. Bei beiden kann ich nicht sagen, wir wären gute Freunde oder dergleichen. Wir sind Menschen, die sich gut verstehen.
Mr. Easy ist der faulste Mensch, den ich aus der Uni kenne und das finde ich super. Gerade in den ersten beiden Semestern war ich oft verunsichert, weil alle anderen viel mehr gemacht hatten als ich. Mr. Easy und ich sind da etwas mehr auf einer Wellenlänge. Ich nehme zwar immer alles furchtbar ernst, aber jemand wie er, der alles locker und leicht nimmt, ist da oft eine angenehme Abwechslug. Übrigens: Mr. Easy schafft trotzdem immer alles mit guten Leistungen.
Mr. Unkind mag ich bereits, seit ich ihn das erste Mal gesehen habe. Das klingt sehr oberflächlich, aber er war mir vom ersten Moment an sehr sympathisch. Allerdings erinnere ich mich auch daran, dass ich am Anfang immer etwas Komplexe hatte, weil ich dachte, er kann mich nicht leiden. Die Wahrheit über Mr. Unkind ist, dass er die Eigentümlichkeit besitzt, seine Zuneigung durch Beleidigungen und anderen Gemeinheiten auszudrücken. Ich kann mittlerweile besser damit umgehen. Ich weiß mittlerweile, wann ich ihn ernst nehmen muss und wann nicht. Wir teilen uns einen ähnlichen Humor, der manchmal in grenzemlosen Schwachsinn endet, und damit sind Begegnungen mit Mr. Unkind immer die reinste Erheiterung für mich.

Etwas nervös saß ich zwischen Mr. Easy und Mr. Unkind. Mr. Easy meinte noch, ich solle mir nicht so Sorgen machen. Das sagte mir der Mensch, der noch weniger gelernt hatte als ich. Mr. Unkind war generell etwas erheitert und dachte wohl ähnlich wie ich, dass die Situation ein Spaß werden würde. Auf die sarkastisch-üble Art und Weise.
Die Frau Professorin stellte sich vorne an das Rednerpult und erklärte uns die Regeln. Kaum hatte sie die ersten Worte gesprochen, brachen Mr. Unkind und ich in ungeniertem, sarkastischem Lachen aus. Die Frau Professorin hat einige interessante Charakterzüge. Dazu gehört nicht nur ihre Hinterhältigkeit, sondern auch ihre generelle Inkompetenz: 1. Sie benutzt Fremdwörter grundsätzlich in völlig falschen Zusammenhängen. 2. Sie redet über Literatur und erzählt völlig falsche Dinge über die Inhalte verschiedener Bücher. 3. (und jetzt wird es wichtig!) Noch weniger als all das liegen ihr Organisation, Logik und Vorausschaubarkeit.

Die Frau Professorin erklärte uns jedenfalls, sie würde uns im Folgenden aufrufen und wir sollten dann schön einzeln nach vorne kommen und uns unseren Klausurbogen abholen. Wer mal studiert hat oder es noch immer tut oder allgemein mal in einem Hörsaal war (mit etwa vierzig Menschen plus/minus, vermutlich eher mehr), weiß, dass das absolut hohl ist. Sie nannte jedenfalls die Namen von A bis Z und bei jedem einzelnen Namen durften meistens noch mal vier oder fünf weitere Menschen aufstehen, wenn die Person, die aufgerufen wurde, gerade in der Mitte von der Reihe saß. Sehr intelligent. Hätte man wenigstens gewusst, wofür dieses Verfahren gut sei, hätte man sich vielleicht noch trösten können.
Wäre das noch nicht genug gewesen, verkündete Frau Professorin uns ebenfalls, wir würden nur einen Klausurbogen bekommen, falls wir noch einen haben wollen würden, sollten wir doch bitte nach vorne kommen. Noch mal zur Erinnerung: Wir schrieben eine Klausur in einem Hörsaal, der aufgebaut war, wie so ein Hörsaal normalerweise aufgebaut ist, eine große Reihe von Klappstühlen. Wenn da jemand aus der Mitte aufstehen will, müssen einige Menschen aufstehen - und das in einer Klausur.

Mr. Unkind und ich fantasierten laut - eigentlich hätten wir bereits schweigen sollen. Ich fand die Vorstellung unheimlich lustig einfach für die Situationskomik über die Reihen zu springen, geradewegs auf die Frau Professorin zu, um mir einen weiteren Papierbogen zu holen. Letztendlich war es so, dass ein anderer Mensch meine Fantasie zumindest in sofern verwirklicherte, dass diese Person aus der Mitte heraus über die verschiedenen Menschen halb drüber geklettert war, um sich weiteres Papier zu holen. In dem Moment konnte selbst die Frau Professorin nicht mehr lächeln.

Letztendlich gab ich mit einem fast genauso falschen Lächeln, wie die Frau Professorin eins hat, meine Klausur (gemeinsam mit Mr. Unkind) ab. Sie fragte mich, wie es mir mit der Klausur ergangen sei und ich wusste, es interessierte sie genauso wenig wie die Frage, wer ich eigentlich bin. Klar, ich bin auch in ihrem Seminar, das nur aus siebzehn Menschen besteht. Tatsache ist, dass sie sich die Namen aller Menschen aus diesem Seminar merken kann, nur meinen nicht. Ich denke nicht, dass sie etwas gegen mich hat, ich bin ihr gegenüber ein höflicher, aber auch aufrichtiger Mensch. Nur weiß ich meine Aufrichtigkeit besser zu verwenden als manch andere Menschen. Ich schmeiße niemandem, der an einem längeren Hebel sitzt als ich (vor allem nicht, wenn es so eine nachtragende Person ist wie die Frau Professorin), verletzende Ehrlichkeit an den Kopf. Ich bin höflich und wenn ich eine Meinung vertrete, dann nur mit guten Argumenten, die man bloß nicht persönlich nehmen kann.

Ich verließ den Hörsaal mit einem breiten Grinsen. Die Klausur hätte schwieriger, aber auch leichter sein können. Sie war okay. Aber viel wichtiger waren mir all die Gefühle. Da war Mr. Unkind und draußen war Mr. Easy und alles zusammen war ich einfach glücklich, solche Menschen zu kennen und mich über solche Menschen wie die Frau Professorin aufregen zu können.

15.7.10 20:35


Ängste, Geheimnisse und Probleme

Es war dunkel und ich wartete ungeduldig auf eine Antwort. Mr. Nevermind und ich führen unsere wichtigsten Gespräche nachts im Dunkeln, kurz bevor wir einschlafen. Meistens liegen wir dann aneinander gekuschelt. Wenn ich sauer bin und ihn gerade wegen irgendetwas zur Rede stelle (und das kam bis jetzt in den sieben Monaten oft genug vor), liegen wir beide auf dem Rücken. Er hat oft dabei die Augen zu, während ich die Decke anstarre, insbesondere den Holzbalken und die Schatten, die die Wand noch grauer wirken lassen.

"Also?", fragte ich ihn vorsichtig.
"Ich weiß gerade nicht, was ich sagen soll. Ich bin beschämt."
In meinem Kopf geschahen Purzelbäume. Beschämt? War das so schlimm gewesen, was ich gesagt hatte?
"Warum beschämt?", hakte ich nach. "Weil ich es immer wieder und wieder anspreche? Oder weil du weißt, dass ich nicht ganz Unrecht habe? Oder aus einem anderen Grund?"
"Lass es mich anders ausdrücken: Ich bin positiv beschämt."
Nun war ich völlig aufgeschmissen. Ich fragte nach: "Positiv?"
Ich spürte, wie sein Griff etwas fester wurde, während er antwortete: "Du hilfst mir."


Selten sind die Momente zwischen Mr. Nevermind und mir so schön wie in der letzten Nacht. Es gab viel in den letzten Monaten, was mich aufgeregt hat. Ja, manchmal wollte ich aufgeben. Aufgeben wollte ich eigentlich sogar oft. Aber es ist schwierig, etwas (oder jemanden) loszulassen, das man im Grunde sehr liebt. Noch schwieriger ist es aber, immer wieder zusehen zu müssen, wie alles schief geht und wie man selbst nicht mehr viel dagegen tut, weil man nicht mehr viel tun kann.


Lange vor dieser Beziehung habe ich oft an Vorstellungen festgehalten, die Beziehungen mit einem Bild völliger Perfektion behandelt haben. Jene Disyneyfantasien habe ich aber schon längst an den Nagel hängen müssen. Teilweise brauche ich die Dramen in der Beziehung. Ich habe jederzeit die Chance mich aufregen zu können und das gehört zu den Dingen, die in der Beziehung wirklich funktionieren. Ich darf mich austoben, darf wütend werden und ehrlich sein und im Anschluss kann ich mit Mr. Nevermind über alles reden und die Dinge klären. Aber ich bin auch kein Mensch, der während seiner Wutausbrüche besonders flucht oder ausfallend wird. Das Einzige, was mir passieren kann, ist, dass ich in Tränen ausbreche. Das passiert mir oft, wenn ich richtig wütend werde. Wut bedeutet oftmals eben auch, dass man sich verletzt fühlt. Zumindest in einer Beziehung bedeutet es das oft.


Mit Mr. Nevermind ist es für mich oft nicht leicht. Ich kann nicht abstreiten, dass ich mir überlegt hatte, ob ich die Beziehung nicht doch lieber beenden soll, um auf eine andere Beziehung zu warten. Eine mit einem Menschen, der besser mit Gefühlen umgehen kann, insbesondere mit Liebe.


Wie ich erkennen musste, ist die Wahrheit, dass Probleme einfach dazu gehören. Die Frage ist nur, ob man es schafft, diese Probleme zu beheben. Das allerdings kann ich noch lange nicht beantworten. Es gibt noch vieles, das Mr. Nevermind und ich bewältigen müssen. Ängste, Geheimnisse und Probleme, die manchmal in einem Menschen so tief sitzen, dass man nur hoffen kann, dass man der Mensch ist, der einem anderen helfen kann, an ihnen zu arbeiten.


Ab heute werde ich wieder regelmäßig erzählen. Von meinem Leben, von Mr. Nevermind und von allem, was um mich herum geschieht. Ja, ich bin zurück.

24.6.10 13:26


exhausted again
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